Sonntag, 5. Oktober 2025
Heute steht ein Ausflug nach Valparaiso auf dem Programm. Die einst wichtigste Hafenstadt Südamerikas ist in ca. 1.5 Stunden mit dem Bus zu erreichen. Gegen 9 Uhr fahren wir mit dem Taxi zum Busterminal. Obwohl es auf der Hompage von Flixbus heisst, es seien alle Plätze ausverkauft, können wir am Schalter noch zwei Plätze ergattern.
In Valparaiso begeben wir uns als erstes auf die Plaza Sotomayor, der zentrale Platz der Stadt. Da wir einige Menschen in glitzernden farbigen Kostümen antreffen, erkundigen wir uns bei einer Dame der Security, was los sei und erfahren, dass an diesem Wochenende das grosse Fest der „Miltambores“ stattfindet. Eine Art Karneval, der hier alljährlich im Oktober gefeiert wird. An diesem Fest treffen sich Karnevalsgruppen aus ganz Lateinamerika.
Da uns noch eine halbe Stunde bleibt, bis der grosse Umzug beginnt, wollen wir einen Blick von oben auf die Stadt werfen. Valparaiso erstreckt sich über mehrere steile Hügel. Deshalb gib es hier 16 sogenannte „Acensores“, steile Standseilbahnen, welche den Einwohnern und auch uns das Treppensteigen ersparen. Für den Weg nach unten verzichten wir auf den Acensor und benutzen die Treppe. Als wir in der Unterstadt ankommen, hat der Umzug bereits begonnen. Was uns da erwartet, ist pure südamerikanische Lebensfreude. Tanzgruppen welche mit ihren perfekten Choreografien begeistern. Tambourengruppen, die sich scheinbar in Trance zu ihren Rhythmen bewegen. Das Alter und der BMI spielen hier keine Rolle, leben und leben lassen ist angesagt.
Da ich mit meiner grossen Kamera auffalle, spricht mich ein kostümierter Herr, offensichtlich ein Mitglied des Organisationskomitees, an. Er fragt mich, ob ich Fotograf sei, was ich selbstverständlich bejahe, und sogleich hängt er mir einen Presseausweis um den Hals, dank welchem ich mich zum Fotografieren mitten auf der Route aufhalten darf und ungehindert meine Bilder schiessen kann. Als Gegenleistung verspreche ich ihm, einen Link zu meinen Fotos zu senden.
Übrigens - wer sich die ganze Bilderserie antun will, klickt bitte hier => Miltambores
Gegen 17 Uhr fahren wir mit dem Taxi zurück zum Busterminal. Gerne wären wir noch geblieben, um den Festbetrieb bis in die Nacht hinein zu geniessen, aber leider müssen wir morgens um zwei Uhr aufstehen, da wir einen Inlandflug zu unserem nächsten Reiseziel, die Atacama Wüste, gebucht haben.
Samstag, 7. Oktober 2025
Heute ist nochmals ein Spaziergang durch die Fussgängerzone angesagt. Von der Plaza de Armas spazieren wir am Chilenischen Gerichtshof und am Regierungsgebäude vorbei. In der Fussgängerzone ist ordentlich was los. In einer Fussgängerunterführung sind dutzende von Jugendlichen Skatern mit unermüdlichem EIfer daran, ihre Kunststücke zu üben.
In der ganzen Stadt verteilt hat es Informationsstände der Städtischen Feuerwehr. Man will Mitglieder anwerben für die "Jeune Bomberos". In Chile gibt es eine Art Kadettenschule in welcher Jugendliche darauf vorbereitet werden, mit 18 Jahren in die Feuerwehr einzutreten. Verschiedene Gruppen dieser jungen Feuerwehr zeigen den Passanten, was sie im Schlauchauslegen und -aufrollen drauf haben.
Wieder auf der Plaza de Armas angekommen, treffen wir auf zwei Gruppen, welche mit Pauken auf dem Rücken wilde Tänze vorführen. Auf unser Fragen hin erklärt uns eine junge Frau, sie seien Chinchineros Dies sei eine alte Tradition in der Region Metropolitana rund um Santiago. Das Paukenspiel und die Tänze werden von den Eltern an die Kinder weitergegeben. Früher hätten die Chinchineros in den Strassen von Santiago und Valparaiso die Drehorgelspieler als Rhythmusgruppe begleitet.
Am Nachmittag fahren wir mit dem Taxi zur Talstation der Seilbahn, welche uns auf den Cerro San Cristobal bringt. Auf dem Cerro befindet sich das "Heiligtum der unbefleckten Empfängnis" in Form einer fast 20 m hohen Madonnenstatue.
Am späten Nachmittag spazieren wir durch das farbige und lebhafte Viertel "Bellavista" wieder zurück zum Hotel.
Freitag, 6. Oktober 2025
Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg zur Plaza de Armas. Wir haben eine Führung bei Urbantour gebucht. Unser Guide Manuel erwartet uns bereits. Da wir frühzeitig da sind, bleibt noch Zeit, auf eigene Faust die Catedral Metropolitana zu besuchen. Sie wurde im 18. Jahrhundert im neoklassizistischen Stil errichtet und ist heute der Sitz des Erzbistums.
Währen der über zweistündigen Führung erfahren wir viel über die bewegte Geschichte Chiles und über die Stadt Santiago, welche 1541 vom spanischen Eroberer Pedro Valdivia gegründet wurde. Valdivia wählte das fruchtbare Tal am Fuss der Anden als Standort. Immer wieder wurde die Stadt von dem indigenen Volk der Mapuche angegriffen. Auch über den Salpeterkrieg lernen wir Einiges. Auslöser für diesen Krieg Ende des 19. Jh. war der Streit um ertragreiche Salpeter- und Guano-Vorkommen in der Atacama-Wüste. Als Folge verlor Peru Teile von Arica (wo wir am Montag hinreisen werden), während Bolivien seinen Zugang zum Meer verlor.
Auf der Plaza de la Constitución erklärt uns Manuel, was sich am 17. September 1973 hier ereignete: Wie das Militär unter General Augusto Pinochet den Präsidentenpalast mit Flugzeugen und Bodentruppen angriff. Der Staatsstreich leitete eine 17-jährige Militärdiktatur ein.
Da wir mehr über diese dunkle Zeit Chiles erfahren möchten, fahren Fränzi und ich nach der Führung mit der Metro zum "Museum der Erinnerung und Menschenrechte". Die Ausstellung ist zugleich interessant und erschütternd: Mit Fotos, Zeitungsartikeln und Videodokumenten wird die Unterdrückung und politische Verfolgung während der Diktatur aufgearbeitet. Sogar ein Artikel der NZZ über die Ereignisse vom 17. September 1973 ist dort zu lesen.
Am eindrücklichsten ist die riesige Wand mit Tausenden von Porträts der Menschen, die während der Diktatur verschwunden sind.
Donnerstag, 2. Oktober 2025
Mit dem Taxi fahren wir vom Flughafen in rund 20 min. zu unserem Hotel. Sogleich machen wir uns auf, um einen ersten Eindruck der Stadt zu gewinnen.
Santiago hat ca. 5 Mio Einwohner und liegt genau in der Mitte zwischen der Kette der Anden und dem Meer. Unser Spaziergang führt uns zuerst zum Cerro Santa Lucía mit dem Denkmal von Pedro Valdivia, der erste Gouverneur Chiles und Gründer der Stadt Santiago. Von hier aus haben wir eine grossartige Aussicht über die Stadt
Weiter geht es in Richtung Plaza de Armas. Unterwegs besuchen wir die Basilica Merced. Die erste Kirche wurde an diesem Ort im 16. Jh.erbaut vom Orden der Mercedarier. Die heutige Kirche wurde 1736 erbaut. Die Flaggen an den Säulen zeigen die Symbole der Mercedarier mit dem weissen Kreuz der Kathedrale von Barcelona und den rot/gelben Streifen aus dem Wappen von Aragon.
Ein paar Schritte weiter erreichen wir die Plaza de Armas. Angelegt wurde der "Waffenplatz" vom Stadtgründer Pedro Valdivia und ist bis heute der Hauptplatz der Stadt geblieben. Wir geniessen die lebhafte Atmosphäre mit Strassenhändlern, Künstlern, welche versuchen ihre kitschigen Gemälde zu verkaufen, Schachspieler usw. Und in dem kleinen Pavillon unterhält einen Blasmusik mit ihren eher schrägen Klängen die Passanten.